OPERA IN CONCORSO | Sezione Pittura

 | ich wars nicht, oder

ich wars nicht, oder
airbrush, aluminium
150 x 50 cm

Birgit Sauer

nato/a a Vienna
residenza di lavoro/studio: Trausdorf, AUSTRIA


iscritto/a dal 06 mag 2020

http://www.birgitsauer.at


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Descrizione Opera / Biografia


„Es gibt so viele Kammern, so viele staubige Winkel, in denen du das eine nicht mehr bist und das andere noch nicht“, lässt Daniel Kehlmann seinen Protagonisten Tyll in seinem gleichnamigen Roman sagen. Hier begegnet uns kein Streichemacher im Narrenkostüm, sondern ein Gaukler der Zwischenwelten, ein Eulenspiegel in einer kulturgeschichtlichen Grabbelkiste, der in seiner Arglosigkeit zwischen Wissenschaft und Magie den Schlüssel zum Weltwissen findet. Kehlmanns Tyll ist kein Narr, sondern ein Freigeist, der sein munteres Spiel mit Realität und Fiktion treibt, ein begnadeter Fabulierkünstler, der uns die Welt wie durch ein Milchglas verschwommen und entrückt schauen lässt. Was gäbe es Treffenderes darüber zu sagen, dem wir in Birgit Sauers Bildern begegnen. Auch sie ist eine Seiltänzerin und Erzählerin von einer Unbedingtheit und bildhaften Sprachgewalt, eine Schwellenkundige, die weiß, worum es geht und die ihre eigenen anspruchsvollen Schlüsse zieht (...)Bei Birgit Sauer verdichtet sich dieses Narrative, also Erzählerische ihrer Bilder zu einer farbintensiven Expressivität. Die Farbe dient ihr dazu, um starke sinnliche Reize auszulösen. Persönliche Themen mischen sich in ihre Märchenwelt, scheinen in einer privaten Mythologie bearbeitet zu werden. Großflächig und lasierend bringt sie die intensiven Farben auf die Blätter und auf die Leinwand.
Humorvoll, mit einem Augenzwinkern spielt Sauer mit ihrer Weiblichkeit und überhaupt mit dem Rollenbild von Frauen. Es ist wie ein spannendes Ratespiel auf der Suche nach Klischees, die in unserem kollektiven Gedächtnis verankert sind. Sauer vermag in ihren oft reduzierten Arbeiten Essentielles aus den dahinterliegenden Sujets zu vermitteln. Es lohnt sich immer, sich auf ihre Bilder einzulassen und zu fragen, was sie damit zum Ausdruck bringen will. Immer wieder geht es um das eingangs erwähnte Spannungsfeld des Nicht mehr und Noch nicht, um das Spiel zwischen Außenwelt und Innenwelt in sehr persönlichen, intimen Situationen.
Birgit Sauers anmutig-ironische Bilder schildern uns oft dichte kleine Szenen, in denen Frauen im Mittelpunkt stehen. Junge Frauen in anonymen Räumen, in Befindlichkeiten und Sehnsüchten. Jedoch alles in einer Art heiterer Gelassenheit, in koketter Überzeichnung, mit feiner Ironie – siehe auch den Titel dieser Ausstellung „Ich war’s nicht oder“ - und mit sicht- und spürbarem Vergnügen gemalt. Bernhard Dobrowsky